Ein Ingenieur in München verdient im Durchschnitt 62.080 Euro – sein Kollege in Frankfurt kommt auf 46.200 Euro. Fast 16.000 Euro Unterschied, derselbe Job, unterschiedliche Adresse. Für Unternehmen, die händeringend nach Fachkräften suchen, ist das mehr als eine statistische Randnotiz. Es ist ein Wettbewerbsfaktor.
Denn während in deutschen Industriebetrieben eine MINT-Lücke von 163.600 Fachkräften klafft, wie der aktuelle MINT-Report vom Frühjahr 2025 belegt, wird Gehaltstransparenz zum strategischen Vorteil. Wer zu wenig zahlt, verliert. Wer zu viel zahlt, gefährdet die Marge. Die DIS AG hat deshalb 24.359 reale Arbeitsverträge aus dem Zeitraum Januar bis September 2025 ausgewertet – ein datenbasierter Blick auf die Vergütungsrealität in technischen und kaufmännischen Berufen.
Die Methode: Median statt Durchschnitt
Die Analyse umfasst 22.068 Verträge aus der Arbeitnehmerüberlassung sowie weitere Verträge aus der Personalvermittlung. Erfasst wurden ausschließlich Bruttogehälter, hochgerechnet auf 2.080 Arbeitsstunden pro Jahr. Variable Bestandteile wie Boni oder Provisionen blieben außen vor – was zählt, ist das feste Jahresbrutto.
Statt Durchschnittswerten, die durch Ausreißer verzerrt werden, arbeitet die Studie mit drei statistischen Kennzahlen: dem unteren Quartil (P25), dem Median und dem oberen Quartil (P75). Der Median markiert jenen Punkt, an dem die Hälfte der Beschäftigten mehr verdient, die andere Hälfte weniger. Eine robuste Kenngröße, die ein realistisches Bild zeichnet.
Technische Berufe: Zwischen 30.000 und 38.000 Euro
Für gewerblich-technische Fachkräfte bewegen sich die Mediangehälter in einer Bandbreite von etwa 30.000 bis 38.000 Euro. Die Spitzenreiter sind Mechatroniker:innen und Elektriker:innen – Berufsgruppen, die besonders in den westdeutschen Ballungsräumen gefragt sind.
| Berufsgruppe |
Median-Spanne |
| Elektriker:innen / Elektroniker:innen |
30.349 – 37.625 € |
| Mechatroniker:innen |
33.756 – 37.424 € |
| Mechaniker:innen |
30.349 – 38.719 € |
| Zerspanungsmechaniker:innen |
30.955 – 35.490 € |
| Maschinenbediener:innen / Anlagenführer:innen |
30.112 – 35.617 € |
| Kfz-Mechatroniker:innen |
32.816 – 35.660 € |
| Metallbauer:innen |
30.215 – 35.490 € |
| Monteur:innen |
30.909 – 36.400 € |
| Lackierer:innen |
30.279 – 34.125 € |
Die Zahlen dokumentieren nicht nur die regionale Spreizung, sondern auch die unterschiedliche Marktmacht einzelner Berufsgruppen. Mechatroniker:innen, die sowohl mechanische als auch elektronische Systeme beherrschen, sind gefragter – und teurer.
Spezialist:innen und Führungskräfte: Wo die Luft dünner wird
Deutlich höher liegen die Gehälter für Spezialist:innen und Führungskräfte. Ingenieure führen die Statistik an – mit einer Median-Spanne von 46.200 bis 62.080 Euro. Die Differenz ist beachtlich und verweist auf die starke regionale Abhängigkeit der Vergütung.
| Berufsgruppe |
Median-Spanne |
| Ingenieur:innen |
46.200 – 62.080 € |
| Qualitätsmanager:innen |
38.821 – 42.907 € |
| Supply Chain & Lieferantenmanager:innen |
40.089 – 46.474 € |
| Technische Einkäufer:innen |
42.006 – 49.000 € |
| Chemikant:innen |
32.041 – 39.108 € |
| Schichtleiter:innen |
30.176 – 30.449 € |
Technische Einkäufer profitieren ebenfalls von der hohen Nachfrage: Mit Medianwerten zwischen 42.006 und 49.000 Euro gehören sie zu den besser vergüteten Positionen. Die Branche weiß, dass gute Einkäufer den Unterschied machen – bei Lieferketten, Kosten und Qualität.
München, Düsseldorf, Frankfurt – die Geographie des Gehalts
Die Geographie spielt eine zentrale Rolle. München, Düsseldorf und das Rhein-Main-Gebiet bilden die Spitze. Berlin und Dresden liegen regelmäßig am unteren Ende der Skala. Die Gründe sind vielschichtig: Lebenshaltungskosten, Branchenstruktur, lokale Wettbewerbsintensität.
Ein Elektriker verdient in Düsseldorf im Median 37.625 Euro, in Darmstadt 36.746 Euro – in Berlin sind es nur 31.205 Euro, in Dresden 31.195 Euro. Bei Mechanikern zeigt sich ein ähnliches Muster: Darmstadt zahlt 38.719 Euro, München 36.111 Euro, Dresden nur 31.195 Euro.
Diese Unterschiede sind keine Anomalie. Sie spiegeln die unterschiedliche Wirtschaftskraft der Regionen wider, aber auch die jeweilige Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen. In München dominieren Hightech-Branchen, in Dresden kämpft die Industrie noch immer mit strukturellen Herausforderungen.
Drei Fälle aus der Praxis
Jenseits der Medianwerte lohnt ein Blick auf konkrete Einzelfälle. Sie zeigen, wie Berufserfahrung, Branche und Standort zusammenwirken.
| Beruf |
Branche / Standort |
Jahresbrutto |
| Kfz-Mechatroniker:in (17 J. Erfahrung) |
Automotive, Stuttgart |
52.871 € |
| Technische:r Einkäufer:in (Berufseinsteiger:in) |
Luft- & Raumfahrt, Lübeck |
43.753 € |
| Mechatroniker:in (14 J., Zuzug aus Ausland) |
Life Sciences, Nürnberg |
34.962 € |
Der Kfz-Mechatroniker aus Stuttgart verdient deutlich über dem Median seiner Berufsgruppe – ein Ergebnis von Erfahrung und einer starken Automobilbranche. Der Technische Einkäufer in der Luft- und Raumfahrt startet bereits mit 43.753 Euro – ein Hinweis darauf, wie wertvoll spezialisierte Positionen sind. Der Mechatroniker in Nürnberg zeigt, dass Branchenwechsel und internationale Mobilität kurzfristig das Gehalt dämpfen können.
Transparenz als strategischer Hebel
„Wer heute erfolgreich rekrutieren will, muss nicht nur wissen, was der Markt zahlt – sondern auch bereit sein, diese Realität anzuerkennen", sagt Marcus Haase, Vorstand der DIS AG Industrial Solutions. „Gehaltstransparenz ist ein strategisches Instrument – kein Selbstzweck. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die ihre Vergütungsstrukturen regelmäßig mit aktuellen Marktdaten abgleichen, besetzen offene Stellen schneller und halten ihre besten Leute länger."
Die Daten stützen diese These. In einem Markt, in dem qualifizierte Fachkräfte rar sind, wird die Fähigkeit, realistische Gehaltsangebote zu machen, zum entscheidenden Faktor.
Ausblick: Die Gehaltsspirale dreht sich weiter
Die hier präsentierten Zahlen sind ein Ausschnitt. Die vollständige DIS AG Gehaltsstudie Industrie Deutschland 2026 bietet detaillierte Standortanalysen, weitere Berufsgruppen und individuelle Auswertungen. Unternehmen, die ihre Vergütungsstrategie überprüfen wollen, finden in diesen Daten eine fundierte Grundlage.
Der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden Jahren verschärfen – die demographische Entwicklung ist unumkehrbar. Umso wichtiger wird es, Gehälter nicht als statische Größe zu betrachten, sondern als dynamisches Instrument im Wettbewerb um Talente. Wer heute investiert, sichert sich morgen die besseren Köpfe.
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