Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Während sich Bewerber:innen in jüngerer Vergangenheit Stellen aussuchen und die Rahmenbedingungen diktieren konnten, verschiebt sich das Bild heute: Aufgrund einer kränkelnden Wirtschaft und einer unsicheren Weltlage entlassen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen, die Arbeitslosenzahlen steigen und Bewerber:innen müssen wieder länger nach einem Job suchen. Die Entwicklung geht hin zu einem Arbeitgebermarkt, die Unternehmen bestimmen wieder. Aber ist das in allen Branchen gleich?
Was ist ein Arbeitgebermarkt?
Ein Arbeitgebermarkt liegt vor, wenn mehr qualifizierte Bewerber:innen als offene Stellen vorhanden sind. In diesem Fall haben Unternehmen eine stärkere Verhandlungsposition.
Typische Merkmale eines Arbeitgebermarktes
- viele Bewerbungen pro Stelle
- lange Bewerbungsprozesse
- hohe Anforderungen an Bewerber:innen
- geringere Verhandlungsmacht bei Gehalt und Arbeitsbedingungen
Unternehmen können aus einer großen Zahl von Kandidat:innen auswählen und stellen oft sehr spezifische Anforderungen an Qualifikation und Erfahrung.
Beispielbranchen
In einigen Bereichen gibt es traditionell mehr Bewerber:innen als offene Positionen:
- Medien und Journalismus
- Marketing und Kommunikation
- Kunst- und Kulturbranche
- Geisteswissenschaftliche Berufe
- Allgemeine Büro- und Verwaltungstätigkeiten
Vor allem kreative oder akademische Berufe mit vielen Absolvent:innen, aber begrenzten Stellenangeboten sind häufig von einem Arbeitgebermarkt geprägt.
Was ist ein Arbeitnehmermarkt?
Ein Arbeitnehmermarkt entsteht, wenn Unternehmen mehr offene Stellen haben als qualifizierte Bewerber:innen verfügbar sind. Dadurch verschiebt sich die Verhandlungsmacht stärker hin zu den Arbeitnehmer:innen.
Typische Merkmale eines Arbeitnehmermarktes
- Unternehmen konkurrieren um Fachkräfte
- schnellere Bewerbungsprozesse
- höhere Gehälter und bessere Benefits
- flexiblere Arbeitsmodelle (z. B. Homeoffice)
In solchen Märkten müssen Unternehmen aktiv um Kandidat:innen werben und ihre Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten.
Beispielbranchen
Laut Institut der deutschen Wirtschaft fehlen in diesen Branchen die meisten Fachkräfte:
- Pflege und Gesundheitswesen
- Handwerk/Baugewerbe
- Logistik und Transport/Industrie
Außerdem übersteigt die Nachfrage in der IT, im Ingenieurwesen und im Bereich Erziehung und Bildung das Angebot an qualifizierten Fachkräften deutlich.
Branchen mit Arbeitnehmermarkt in Deutschland
In mehreren zentralen Wirtschaftsbereichen herrscht derzeit ein deutlicher Fachkräftemangel.
Gesundheits- und Pflegeberufe
Der Bedarf an Fachkräften im Gesundheits- und Pflegebereich steigt seit Jahren kontinuierlich an. Eine der wichtigsten Ursachen dafür ist der demografische Wandel. Die Bevölkerung wird immer älter. Dadurch wächst auch der Bedarf an medizinischer Versorgung und professioneller Pflege. Immer mehr Menschen sind im Alter auf Unterstützung angewiesen – sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch im häuslichen Umfeld.
Diese Entwicklung führt dazu, dass Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Pflegedienste dauerhaft nach qualifiziertem Personal suchen. Pflegekräfte, medizinische Fachangestellte und weitere Gesundheitsberufe gehören daher zu den am stärksten nachgefragten Fachkräften auf dem deutschen Arbeitsmarkt. In vielen Regionen können offene Stellen nur schwer oder gar nicht besetzt werden, was den Pflegebereich zu einem typischen Beispiel für einen Arbeitnehmermarkt macht.
Handwerk/Baugewerbe
Auch im Handwerk und Baugewerbe fehlt es zunehmend an Nachwuchs. Besonders betroffen sind Berufe wie:
- Elektriker:innen
- Anlagenmechaniker:innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
- Dachdecker:innen
- Mechatroniker:innen
Viele erfahrene Handwerker:innen gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand, während gleichzeitig zu wenige junge Menschen eine Ausbildung in diesen Berufen beginnen.
Ingenieurwesen
Auch im Ingenieurwesen ist die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften weiterhin hoch. Besonders gesucht werden Ingenieur:innen in Bereichen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauwesen und Automatisierungstechnik. Diese Fachrichtungen spielen eine zentrale Rolle für die industrielle Entwicklung und die technologische Innovationskraft Deutschlands.
Zusätzliche Impulse entstehen durch große Infrastrukturprojekte, die Modernisierung von Industrieanlagen sowie durch die Energiewende. Der Ausbau erneuerbarer Energien, neue Mobilitätskonzepte und die zunehmende Automatisierung von Produktionsprozessen erfordern hochqualifizierte Ingenieur:innen. Dadurch bleibt der Wettbewerb um Fachkräfte in diesen Bereichen hoch und sorgt in vielen Teilbereichen des Ingenieurwesens für einen klaren Arbeitnehmermarkt.
Logistik und Transport
Der Boom des Onlinehandels hat den Logistiksektor stark wachsen lassen. Besonders gefragt sind:
- LKW-Fahrer:innen
- Fachkräfte für Lagerlogistik
- Disponent:innen
Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, offene Stellen dauerhaft zu besetzen.
Branchen mit Arbeitgebermarkt
Trotz des allgemeinen Fachkräftemangels gibt es weiterhin Branchen, in denen Bewerber:innen um wenige Positionen konkurrieren.
Medien und Kreativwirtschaft
Der Mediensektor zieht viele Bewerber:innen an. Gleichzeitig sind feste Stellen begrenzt, da viele Projekte freiberuflich organisiert sind.
Marketing und Kommunikation
Marketingberufe sind besonders beliebt, weshalb die Zahl der Bewerber:innen oft höher ist als die Anzahl der offenen Stellen. Gleichzeitig verändern Automatisierung und KI viele Aufgaben in diesem Bereich.
Kunst- und Kulturbereich
Viele Menschen möchten in kreativen oder kulturellen Berufen arbeiten, doch die Zahl der langfristigen Festanstellungen ist relativ gering.
Branchen mit gemischtem Arbeitsmarkt
In einigen Bereichen hängt die Marktsituation stark von Erfahrung, Qualifikation und Spezialisierung ab.
IT- und Technologiebranche
Aufgrund der schwachen Wirtschaft geht die Zahl offener IT-Stellen zurück. Die Digitalisierung hatte zu einer enormen Nachfrage nach IT-Fachkräften geführt, jetzt zögern Unternehmen, innovative Projekte umzusetzen. Weiterhin gefragt sind nur IT-Sicherheits-Expert:innen:
- Cybersecurity-Expert:innen → hohe Nachfrage
- Software-Entwickler:innen → starker Wettbewerb
Weitere gemischte Arbeitsmärkte
BWL und Finance:
- allgemeine BWL-Absolvent:innen → stärkerer Wettbewerb
- spezialisierte Controller:innen oder Analyst:innen → hohe Nachfrage
Ingenieurwesen:
- allgemeine Absolvent:innen → ausgeglichener Markt
- spezialisierte Fachrichtungen → Arbeitnehmermarkt
Spezialisierung und Berufserfahrung spielen hier eine entscheidende Rolle.
Boomer gehen in Rente
Auch wenn derzeit Unternehmen Mitarbeiter:innen entlassen, gehen in den nächsten Jahren viele ältere Arbeitnehmer:innen in Rente. Das wird den Fachkräftemangel auf lange Sicht verstärken, es bleibt also auf Dauer strukturell gesehen ein Arbeitnehmermarkt. Unternehmen sollten also ihre Recruiting-Strategien zunehmend anpassen und ihren Mitarbeiter:innen beispielsweise attraktive Arbeitsbedingungen bieten, um im Kampf um Arbeitskräfte die Nase vorn zu haben.
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