Rund um die Arbeit

Wie krisenfest ist mein Beruf?

Knapp drei Millionen Arbeitslose, eine schwache Herbstbelebung und eine Beschäftigungsprognose im Minus: Die Nachrichten vom Arbeitsmarkt klingen im Herbst 2026 wenig beruhigend. Für Ihre eigene Lage taugen diese Durchschnittswerte aber nur begrenzt. Wie krisenfest ein Beruf ist, hängt vor allem am Qualifikationsniveau und daran, wie gefragt Ihre Spezialisierung gerade ist.

6 min

21. October 2026 - 11:57

Zwei Frauen arbeiten am Band in einer Fabrik - wie krisenfest ist mein Beruf?

 

Der Markt kühlt ab, Bewegung gibt es trotzdem

Im September 2026 waren 2,994 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 67.000 weniger als im August, aber 40.000 mehr als ein Jahr zuvor, die Quote lag bei 6,4 Prozent. Saisonbereinigt stieg die Zahl um 12.000 (Bundesagentur für Arbeit, 30.09.2026). Das IAB-Arbeitsmarktbarometer steht mit 99,6 Punkten knapp unter der neutralen Marke von 100. Seine Beschäftigungskomponente ist auf 99,3 Punkte gesunken und signalisiert für die kommenden drei Monate eher weniger Beschäftigung (IAB, 28.09.2026).

Gleichzeitig stieg der Stellenindex BA-X im September um einen Punkt auf 104, und der Bestand gemeldeter offener Stellen hat laut IAB leicht zugelegt (IAB-Forum, September 2026). Wechsel bleiben also möglich, Unternehmen stellen aber vorsichtiger ein. Für Bewerbende heißt das: Wer kündigt, bevor ein neuer Vertrag unterschrieben ist, sollte das in dieser Phase besonders gut abwägen.

 

Ein Berufsabschluss senkt das Risiko am stärksten

Die größten Unterschiede zeigt der Blick auf das Anforderungsniveau. Im Jahresdurchschnitt 2024 lag die Arbeitslosenquote für Tätigkeiten auf Helferniveau bei 20,8 Prozent, auf Fachkraftniveau bei 4,1 Prozent (IAB, Zentrale Befunde 2025). Bei Akademiker:innen stieg die Quote von 2,9 Prozent im Jahr 2024 auf 3,3 Prozent im Jahr 2025. Damit liegt sie nur knapp über der Marke von 3 Prozent, ab der üblicherweise von Vollbeschäftigung gesprochen wird (Bundesagentur für Arbeit, Akademiker-Bericht).

Ein anerkannter Abschluss oder eine Aufstiegsfortbildung, etwa zur Technikerin, zum Meister oder zur Bilanzbuchhalterin, verbessert Ihre Position also auch in einer schwachen Phase. Der Preis dafür ist Zeit: Eine berufsbegleitende Weiterbildung kostet über Monate Abende und Wochenenden. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob genau dieser Abschluss in Ihrem Zielberuf nachgefragt wird.

Auch innerhalb der Akademiker:innen gibt es Unterschiede. Die niedrigsten berufsspezifischen Quoten hatten 2025 Verwaltungsberufe und Lehrkräfte mit höchstens 1,4 Prozent, also Felder, die stark vom öffentlichen Sektor geprägt sind (Bundesagentur für Arbeit, Akademiker-Bericht).

 

Was heute knapp ist, kann morgen gut besetzt sein

Die Bundesagentur für Arbeit prüft jedes Jahr, in welchen Berufen Stellen schwer zu besetzen sind. Für 2025 zählte sie 157 Engpassberufe, nach 163 im Jahr 2024 und 183 im Jahr 2023. Aus der Liste gefallen sind unter anderem die Softwareentwicklung und der IT-Vertrieb. Engpässe bestehen weiter vor allem in Pflege- und medizinischen Berufen, im Bau und Handwerk sowie bei Berufskraftfahrer:innen (Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025).

Ähnlich sieht es in den MINT-Berufen aus: Dort lag die rechnerische Fachkräftelücke im März 2026 um 15,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. In der Metallverarbeitung und in den Bauberufen ist sie dagegen gewachsen (IW Köln, MINT-Frühjahrsreport 2026).

Ein Beruf, der vor zwei Jahren als sicher galt, kann heute also deutlich mehr Konkurrenz haben. Besser stehen Bewerbende da, deren Profil eine Spezialisierung zeigt, die nicht jede:r mitbringt. Das kann ein Zertifikat sein, Erfahrung mit einem bestimmten System oder ein Projekt mit messbarem Ergebnis.

 

Was das in den vier DIS-Fachbereichen bedeutet

IT

Softwareentwicklung ist laut Bundesagentur kein Engpassberuf mehr. Gefragt bleiben Profile mit Schwerpunkt IT-Sicherheit, wie auch unser Beitrag Arbeitgebermarkt vs. Arbeitnehmermarkt zeigt. Wer breit entwickelt, kann sein Profil mit Zertifikaten oder Projekterfahrung im Sicherheitsumfeld schärfen.

Finance & Financial Services

Allgemeine BWL-Profile treffen auf mehr Wettbewerb, spezialisierte Controller:innen und Analyst:innen sind weiter gesucht (DIS AG Blog). Zusatzqualifikationen wie die Bilanzbuchhaltung machen in der Auswahl sichtbar, worin Sie sich von anderen unterscheiden.

Office & Management

Allgemeine Büro- und Verwaltungstätigkeiten gehören zu den Bereichen, in denen es mehr Bewerbungen als Stellen gibt (DIS AG Blog). Sicherer wird die Position mit einem klaren Zusatzprofil, zum Beispiel Erfahrung in Personalsachbearbeitung, Einkauf oder Projektassistenz mit nachweisbaren Systemkenntnissen.

Industrial Solutions

In den MINT-Berufen fehlten im März 2026 rund 133.900 Fachkräfte, die meisten davon auf Facharbeiterniveau. Die größte Lücke gab es mit 48.900 Personen in den Energie- und Elektroberufen, gefolgt von der Metallverarbeitung mit 26.500 (IW Köln, MINT-Frühjahrsreport 2026). Wer in der Fertigung arbeitet und sich absichern will, findet in einer Weiterqualifizierung Richtung Elektro oder Instandhaltung einen naheliegenden Weg.

 

Was Sie jetzt tun können

  • Erstens: Prüfen Sie die Lage in Ihrem Beruf statt in der Gesamtstatistik. Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit ist öffentlich und nach Berufen gegliedert.
  • Zweitens: Machen Sie Ihre Spezialisierung im Lebenslauf sichtbar. Zertifikate, Systemkenntnisse und Projekte mit Ergebnis gehören in den oberen Teil, damit sie beim ersten Lesen auffallen.
  • Drittens: Planen Sie Weiterbildung mit einem Ziel. Schauen Sie vorher in Stellenanzeigen Ihres Zielberufs nach, welche Abschlüsse dort tatsächlich verlangt werden.
  • Viertens: Kündigen Sie in einer schwachen Marktphase erst, wenn der neue Vertrag unterschrieben ist. Klären Sie vorab, welche Probezeit und welche Kündigungsfristen im neuen Vertrag vorgesehen sind und ob die Stelle befristet ist.
  • Fünftens: Bleiben Sie mit dem Markt in Kontakt, auch wenn Sie gerade nicht suchen. Ein aktuelles Profil und ein Gespräch im Jahr zeigen früh, ob sich die Nachfrage in Ihrem Beruf verschiebt.

Wie die DIS AG unterstützt

  • Vertrauliche Begleitung, wenn Sie über einen Wechsel nachdenken, ohne dass Ihr aktueller Arbeitgeber davon erfährt.
  • Zugang zu Positionen, die nicht öffentlich ausgeschrieben sind.
  • Ehrliche Rückmeldung zu Ihren Unterlagen und Ihrem Profil sowie eine Einordnung, wie gefragt Ihre Qualifikation gerade ist und welches Gehaltsziel realistisch ist.

Sehen Sie sich aktuelle Positionen in Ihrem Fachbereich an oder vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch mit dem zuständigen Recruiting-Team in Ihrer Niederlassung.

 

Quellen

Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt im September 2026, Presseinfo vom 30.09.2026. https://www.arbeitsagentur.de/presse/2026-37-arbeitsmarkt-im-september-2026

IAB: IAB-Arbeitsmarktbarometer: Die Beschäftigung schrumpft, Presseinformation vom 28.09.2026. https://iab.de/presseinfo/iab-arbeitsmarktbarometer-die-beschaeftigung-schrumpft/

IAB-Forum: Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage, September 2026. https://iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-september-2026/

IAB: Zentrale Befunde zu aktuellen Arbeitsmarktthemen 2025 (Daten Jahresdurchschnitt 2024), Mai 2025. https://iab.de/wp-content/uploads/2025/05/Zentrale_Befunde_zu_aktuellen_Arbeitsmarktthemen_2025.pdf

Bundesagentur für Arbeit, Statistik: Online-Bericht Akademiker:innen, Kapitel 1.7 Arbeitslosigkeit (Daten 2025). https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/AkademikerInnen/Allgemeiner-Teil/1-7-Arbeitslosigkeit.html

Bundesagentur für Arbeit, Statistik: Fachkräfteengpassanalyse 2025. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Fachkraeftebedarf/Fachkraefteengpassanalyse/Fachkraefteengpassanalyse.html

IW Köln: MINT-Frühjahrsreport 2026. https://www.iwkoeln.de/studien/christina-anger-julia-betz-wido-geis-thoene-axel-pluennecke-arbeitsmarktbericht-beschaeftigungsperspektiven-in-mint.html