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Wenn Veränderung nicht warten kann – Interim Management im Interview mit Stephan Bahns

4 Minuten

30. July 2026 - 12:30

Stephan Bahns: Vorstand DIS AG

Wenn eine Schlüsselposition plötzlich unbesetzt ist, eine Transformation ins Stocken gerät oder ein Unternehmen unter hohem Zeitdruck neu ausgerichtet werden muss, entscheidet Geschwindigkeit über den Geschäftserfolg. Interim Management ist längst mehr als eine kurzfristige Notlösung – es ist zu einem strategischen Führungsinstrument geworden.

Vom Lückenfüller zum strategischen Führungsinstrument

Herr Bahns, Interim Management wurde lange mit der kurzfristigen Überbrückung personeller Engpässe verbunden. Trifft dieses Bild heute noch zu?

Nein, dieses Bild greift heute deutlich zu kurz. Natürlich geht es auch weiterhin darum, kritische Vakanzen schnell zu besetzen. Aber Unternehmen nutzen Interim Management inzwischen sehr viel strategischer. Sie holen sich gezielt erfahrene Führungskräfte oder Spezialist:innen ins Haus, wenn tiefgreifende Veränderungen anstehen, besondere Expertise benötigt wird oder ein wichtiges Vorhaben schneller umgesetzt werden muss.

Dabei geht es nicht darum, vorübergehend einen freien Stuhl zu besetzen. Entscheidend ist es, die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Gute Interim Manager:innen übernehmen vom ersten Tag an Verantwortung, treffen Entscheidungen und hinterlassen Strukturen, die auch nach ihrem Ausscheiden noch funktionieren. Damit ist Interim Management heute ein echtes strategisches Führungsinstrument.

Wachsender Veränderungsdruck als Treiber

Warum steigt die Nachfrage gerade jetzt?

Viele Unternehmen stehen unter einem enormen Veränderungsdruck. Sie müssen gleichzeitig digitalisieren, Kosten senken, neue regulatorische Anforderungen erfüllen und sich auf volatile Märkte einstellen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und geopolitische Unsicherheiten. Die Veränderungsagenda wächst häufig schneller als die internen Ressourcen.

In Gesprächen mit Unternehmen erlebe ich immer wieder: Es fehlt nicht unbedingt an guten Ideen, sondern an den Kapazitäten und der Erfahrung, diese konsequent umzusetzen. Genau hier schaffen Interim Manager:innen einen entscheidenden Mehrwert. Sie kennen vergleichbare Situationen, können sich schnell einarbeiten und unmittelbar Verantwortung übernehmen. Die Nachfrage steigt also nicht, weil Unternehmen schlechter planen, sondern weil sich die Rahmenbedingungen immer schneller verändern.

Kritische Wendepunkte als typische Einsatzfelder

In welchen Situationen ist dieser Einsatz besonders wirkungsvoll?

Vor allem an kritischen Wendepunkten. Also immer dann, wenn Abwarten keine Option ist und jede Verzögerung unmittelbare Folgen für das Geschäft haben kann. Das kann eine Restrukturierung sein, eine Wachstumsphase, ein Turnaround, eine ERP-Einführung, eine Nachfolgeregelung oder die kurzfristige Vakanz in einer zentralen Führungsfunktion.

In solchen Situationen geht es meist um drei Dinge: Geschwindigkeit, Orientierung und operative Stabilität. Die Organisation muss handlungsfähig bleiben, während gleichzeitig Veränderungen umgesetzt werden. Ein erfahrener Interim Manager verbindet den strategischen Blick mit der Bereitschaft, selbst in die operative Verantwortung zu gehen. Genau diese Kombination ist in angespannten Situationen besonders wertvoll.

Vom Lückenfüller zum Gestalter mit Ergebnisverantwortung

Damit hat sich auch das Aufgabenprofil von Interim Manager:innen verändert. Was wird heute von ihnen erwartet?

Aus dem klassischen Lückenfüller:in ist ein Gestalter:in mit klarer Ergebnisverantwortung geworden. Interim Manager:innen werden heute als Transformationsexpert:innen, Programmverantwortliche oder Führungskräfte in besonders anspruchsvollen Unternehmensphasen eingesetzt.

Die Mandate sind in der Regel klar definiert: Prozesse müssen neu aufgesetzt, Effizienzpotenziale realisiert, Systeme eingeführt oder Teams weiterentwickelt werden. Am Ende zählt nicht die Zahl der erstellten Präsentationen, sondern das konkrete Ergebnis. Das kann ein verlässliches Reporting, eine stabilisierte Organisation, ein erfolgreich eingeführtes System oder ein Team sein, das die Veränderung anschließend selbstständig weiterträgt.

Wirkung in den ersten Tagen entscheidet

Was muss eine Führungskraft mitbringen, um in einer solchen Rolle innerhalb kürzester Zeit Wirkung zu erzielen?

Die ersten Tage sind häufig entscheidend. Ein:e Interim Manager:in kommt meist in eine Organisation, in der Unsicherheit herrscht oder der Handlungsdruck besonders hoch ist. Die Mitarbeitenden beobachten sehr genau: Hört diese Person zu? Versteht sie unsere Situation? Kann sie Orientierung geben? Und trifft sie die notwendigen Entscheidungen?

Dafür braucht es selbstverständlich fachliche Exzellenz. Mindestens ebenso wichtig sind aber Klarheit, Anpassungsfähigkeit, Kommunikationsstärke und ein sehr gutes Gespür für Menschen. Interim Manager:innen müssen selbstbewusst auftreten, ohne überheblich zu wirken. Sie müssen schnell entscheiden, ohne vorschnell zu urteilen. Und sie müssen Vertrauen aufbauen, obwohl ihnen dafür häufig nur wenig Zeit bleibt. Wer Veränderungen erfolgreich umsetzen will, muss Menschen mitnehmen können.

Struktur und Orientierung in unsicheren Phasen

Gerade Restrukturierungen, Transformationen oder Post-Merger-Integrationen sind häufig mit großer Unsicherheit verbunden. Welche Rolle übernimmt ein:e Interim Manager:in in diesen Phasen?

Veränderungen erzeugen zunächst oft mehr Fragen als Antworten. Mitarbeitende wollen wissen, was die neue Situation für sie bedeutet. Führungskräfte benötigen Klarheit über Prioritäten und Verantwortlichkeiten. Gleichzeitig darf das operative Geschäft nicht ins Stocken geraten.

Erfahrene Interim Manager:innen schaffen in dieser Phase Struktur und Orientierung. Sie bringen einen unabhängigen Blick von außen mit und wissen zugleich, dass Veränderungen nur gemeinsam mit der Organisation gelingen können. Ihre Aufgabe besteht nicht allein darin, ein Zielbild zu entwerfen. Entscheidend ist, dieses in konkrete Maßnahmen, klare Verantwortlichkeiten und einen verlässlichen Umsetzungsrhythmus zu übersetzen. Genau darin liegt ihre Führungsleistung.

Ein Beispiel aus der Praxis: Interim CFO im Mittelstand

Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem ein:e Interim Manager:in ein Unternehmen nicht nur stabilisiert, sondern nachhaltig weiterentwickelt hat?

Ein gutes Beispiel ist ein mittelständisches Produktionsunternehmen, bei dem der Finanzleiter unerwartet ausschied. Eine solche Situation hinterlässt nicht einfach nur eine personelle Lücke. Plötzlich stehen das Reporting, die Liquiditätssteuerung und wichtige unternehmerische Entscheidungen unter Druck – und das in einer Phase, in der das Unternehmen ohnehin mit steigenden Kosten zu kämpfen hatte.

Ein Interim CFO übernahm kurzfristig die Verantwortung. Zunächst stabilisierte er die Finanzorganisation und sorgte dafür, dass Reporting und Liquiditätsplanung wieder verlässlich funktionierten. Anschließend führte er ein transparenteres Berichtssystem ein, identifizierte Potenziale im Working Capital und etablierte neue Steuerungsinstrumente.

Das Entscheidende war: Am Ende des Mandats war das Unternehmen nicht von der Person abhängig, sondern organisatorisch besser aufgestellt als zuvor. Die Liquidität hatte sich verbessert, Entscheidungen konnten auf einer verlässlicheren Datengrundlage getroffen werden und die eingeführten Prozesse bestanden fort. Genau das verstehen wir unter nachhaltiger Wirkung.

Stephan Bahns, Vorstand DIS AG

 

Stephan Bahns
Vorstand
DIS AG

„Interim Management ist heute kein letzter Ausweg mehr, sondern ein bewusst eingesetztes Instrument. Richtig genutzt, kann ein:e erfahrene:r Interim Manager:in in wenigen Monaten Veränderungen bewirken, für die ein Unternehmen sonst deutlich länger benötigen würde. Voraussetzung sind ein klares Mandat, realistische Ziele und ein interner Sponsor, der den Einsatz mitträgt."

– Stephan Bahns, Vorstand DIS AG

Warum Finance, IT und HR im Zentrum stehen

Warum stehen insbesondere Finance, IT und HR so häufig im Mittelpunkt von Interim-Mandaten?

Finance, IT und HR sind zentrale Steuerungsfunktionen eines Unternehmens. Wenn dort Veränderungen ins Stocken geraten, wirkt sich das sehr schnell auf die gesamte Organisation aus.

Im Finance-Bereich geht es beispielsweise um digitale Prozesse, steigende Reporting-Anforderungen, Kostentransparenz oder die Sicherung der Liquidität. In der IT stehen Cloud-Transformationen, Cybersecurity und die Einführung neuer Systeme im Fokus. Und HR muss Antworten auf den Fachkräftemangel, neue Kompetenzanforderungen und die Weiterentwicklung von Organisation und Führung finden.

Gleichzeitig sind qualifizierte Führungskräfte und Spezialist:innen gerade in diesen Bereichen besonders knapp. Interim Management ermöglicht es Unternehmen, kurzfristig auf genau die Expertise zuzugreifen, die sie in einer bestimmten Phase benötigen.

Der Ansatz der DIS AG: Passung vor Profil

Was zeichnet den Ansatz der DIS AG aus?

Gerade unter Zeitdruck muss die Auswahl besonders präzise sein. Deshalb klären wir zunächst nicht nur, welche Funktion besetzt werden soll. Wir wollen verstehen, welches Ergebnis erreicht werden muss, welchen Entscheidungsspielraum die Person erhält, welche Stakeholder eingebunden sind und welche Unternehmenskultur sie erwartet.

Auf dieser Grundlage greifen wir auf unser langjährig aufgebautes Netzwerk erfahrener Interim Manager:innen zurück. Durch unsere Spezialisierung in unterschiedlichen Fachbereichen können wir die fachlichen Anforderungen sehr genau einordnen. Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Persönlichkeit zum Unternehmen und zur konkreten Situation passt.

Denn ein fachlich überzeugendes Profil allein reicht nicht aus. Die Person muss gegenüber Vorstand und Geschäftsführung ebenso souverän auftreten können wie gegenüber den Mitarbeitenden, die die Veränderung im Alltag mittragen sollen.

Ein Instrument, dessen Bedeutung weiter wächst

Wie wird sich der Markt aus Ihrer Sicht weiterentwickeln?

Ich bin überzeugt davon, dass Interim Management weiter an Bedeutung gewinnen wird. Die Mandate werden voraussichtlich spezialisierter, anspruchsvoller und noch stärker an konkreten Ergebnissen ausgerichtet sein. Unternehmen werden externe Führungsexpertise zunehmend nicht erst dann einsetzen, wenn eine Situation bereits kritisch geworden ist, sondern bewusst, um wichtige Veränderungen frühzeitig zu beschleunigen.

Mein Rat ist deshalb: Interim Management sollte nicht als letzter Ausweg verstanden werden. Richtig eingesetzt, ist es ein strategisches Instrument. Voraussetzung dafür sind ein klares Mandat, realistische Ziele, ausreichende Entscheidungsbefugnisse und ein interner Sponsor, der den Einsatz unterstützt. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind und die richtige Persönlichkeit ausgewählt wird, kann ein Interim Manager in wenigen Monaten Veränderungen bewirken, für die ein Unternehmen sonst deutlich länger benötigen würde.

Wie die DIS AG unterstützt

Wir besetzen Interim-Mandate in Finance, IT, HR, Office & Management und Industrie – vom kurzfristigen Ersatz für vakante Führungspositionen bis zur begleitenden Expertise für Transformationsprojekte. Dabei steht nicht nur das fachliche Profil im Mittelpunkt, sondern auch die Passung zu Situation, Kultur und Zielbild des Unternehmens.

  • Interim Management für Führungs- und Fachfunktionen: von CFO-, CIO- und HR-Vakanzen über Programmleitungen bis hin zu Spezialist:innen für definierte Projektphasen.
  • Fokussierte Auswahl in wenigen Tagen: strukturierte Bedarfsklärung, Zugriff auf ein langjährig aufgebautes Netzwerk und präzise Passung zu Kultur und Entscheidungsrhythmus des Unternehmens.
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Quellen:

Interview mit Stephan Bahns, Vorstand DIS AG, Juli 2026

DIS AG Gehaltsstudien 2026 – Office & Management, Finance & Financial Services, IT, Industrie, dis-ag.com