Business

Urlaubsvertretung 2026: Warum die nächsten drei Wochen über Ihr Q4 entscheiden

3 Minuten

19. August 2026 - 12:30

Frau und Mann klatschen in die Hände im Büro - DIS AG

Anfang September stehen die ersten Rückkehrer:innen wieder am Schreibtisch, die zweite Welle folgt Mitte des Monats, denn die Schulferien in Bayern und Baden-Württemberg enden erst dann. Wer die nächsten drei Wochen ungenutzt lässt, verhandelt Ende September aus einer schwachen Position heraus.

Für Personalabteilungen ist das die Zeit, in der aufläuft, was im Juli und August liegen geblieben ist: unerwartete Krankheitsfälle in der Ferienzeit, verlängerte Elternzeiten, Vertretungen, die doch länger dauern als geplant.

Der Personalpuffer schmilzt am Übergang in den September am schnellsten

Zwei Datenpunkte machen das Bild konkret. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Krankenstand in Deutschland bei 5,3 Prozent, damit war an jedem Werktag von Januar bis Juni durchschnittlich mehr als jede:r zwanzigste Beschäftigte krankgeschrieben (DAK-Gesundheit, 20.07.2026). Für das Gesamtjahr 2025 weist das Statistische Bundesamt 14,6 durchschnittliche Fehltage pro Arbeitnehmer:in aus (Destatis, 23.07.2026). Zusammen mit dem Urlaubsanspruch von im Schnitt 28 bis 30 Kalendertagen pro Beschäftigten summieren sich planbare und unplanbare Abwesenheiten auf über sechs Wochen pro Kopf und Jahr. Am Übergang von August in den September fällt beides zusammen: Wer im Juli krank war, kommt jetzt zurück, wer im August krank wird, fällt in die Übergabephase.

Personalplanung 2026

Über sechs Wochen Abwesenheit pro Kopf und Jahr

Planbare und unplanbare Abwesenheiten je Beschäftigten, Deutschland

Urlaubsanspruch (28–30 Kalendertage)

bis 30 Tage

Krankheitsbedingte Fehltage (2025)

14,6 Tage

Summe pro Beschäftigten

über 6 Wochen

Was das für Woche 36 bis 40 bedeutet: Der Ausfall ist kein Sonderfall, sondern eine Größe, die sich planen lässt. Wer die Abwesenheiten pro Fachbereich addiert, sieht, wie viele Vertretungsstellen tatsächlich dauerhaft besetzt sein müssen.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Krankenstand, Stand 23.07.2026; DAK-Gesundheit, Krankenstand erstes Halbjahr 2026, 20.07.2026; gesetzlicher und tariflicher Urlaubsanspruch, Durchschnittswerte.

Das Muster wiederholt sich in Personalabteilungen jedes Jahr. Neu ist die Kombination mit einem angespannten Arbeitsmarkt. Im Juli 2026 gaben 23,2 Prozent der Unternehmen an, dass ihnen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen, nach 21,1 Prozent im April (ifo Institut, 21.08.2026). Der Fachkräftemangel ist damit gegenüber dem Frühjahr wieder gestiegen, auch wenn er unter dem langfristigen Durchschnitt liegt. In der Konsequenz gibt es weniger interne Puffer, weniger stille Reserven, weniger Kolleg:innen, die eine dritte Vertretungsrolle nebenbei übernehmen können.

ifo-Fachkräftebarometer

Der Engpass wächst wieder: 21,1 auf 23,2 Prozent

Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit durch Fachkräftemangel beeinträchtigt sehen

April 2026

21,1 %

Juli 2026

23,2 %

Einordnung: Knapp ein Viertel der Unternehmen meldet Engpässe, gleichzeitig waren im März 2026 rund 357.000 offene Stellen rechnerisch nicht passend besetzbar. Interne Umverteilung ist in dieser Lage selten noch eine Option.

Quellen: ifo Institut, Fachkräftemangel-Umfrage, 21.08.2026; IW Köln, KOFA Kompakt 5/2026, Fachkräftereport März 2026.

Was in den nächsten drei Wochen realistisch geht

Eine Nachbesetzung in der Direktvermittlung dauert in vielen Fachbereichen zwei bis vier Monate, in Engpassberufen deutlich länger. Für die Absicherung der Wochen 36 bis 40 ist das der falsche Hebel. Was funktioniert, ist die Kombination aus drei kürzeren Instrumenten, die parallel angesetzt werden.

Erstens die Bestandsaufnahme über alle Fachbereiche: Welche Vertretungen laufen aus, welche verlängern sich, wo hat eine Krankmeldung im Juli bereits eine zweite Person zusätzlich belastet? Die meisten Personalabteilungen wissen das intuitiv, haben es aber selten in einer Übersicht. Ein einseitiges Vertretungs-Register mit Rückkehrdatum, Belastungsgrad des Teams und geplantem Ende schafft eine gemeinsame Faktenbasis für die Gespräche mit Werk- und Fachbereichsleitungen.

Zweitens die kurzfristige Personalergänzung über Zeitarbeit. Zeitarbeit ist im Vergleich zur Direktvermittlung nicht die günstigere, aber die schnellere Option. Für die klassischen Vertretungspositionen im gewerblichen Bereich, in Sachbearbeitung, Buchhaltung und Kundenservice sind Reaktionszeiten von wenigen Tagen möglich, wenn der Personaldienstleister vor dem konkreten Bedarf über Anforderungsprofile, Standort und Schichtmodell informiert ist. Wer erst Mitte September anfragt, wird für Anfang Oktober selten die passende Besetzung finden.

Drittens Rahmenverträge für wiederkehrende Bedarfe. Für Positionen, die in jedem Jahr in der zweiten Jahreshälfte auflaufen, weil Elternzeiten, Sabbaticals oder wiederkehrende Projekte den Puffer belasten, sind Rahmenverträge mit definierten Reaktionszeiten und einem festgelegten Kandidat:innenpool das wirksamere Instrument. Sie verhindern, dass jede Vertretung neu ausgeschrieben und aus dem Stand besetzt werden muss.

Die stille Kostenrechnung hinter den unbesetzten Wochen

Was kostet eine unbesetzte Vertretungsposition ein Unternehmen? In den seltensten Fällen taucht der Betrag im Personalcontrolling auf. Er verteilt sich auf Überstundenzuschläge der Kolleg:innen, verschobene Wartungsfenster, verspätete Rechnungsläufe, Kundenanfragen, die zu spät beantwortet werden. Wer diese Effekte über drei Monate für eine Sachbearbeitungsposition zusammenrechnet, landet regelmäßig im mittleren fünfstelligen Bereich, für gewerbliche Vertretungen deutlich höher.

Rund 357.000 offene Stellen waren im März 2026 bundesweit rechnerisch nicht passend besetzbar, obwohl es mehr qualifizierte Arbeitslose gab als im Vorjahr (IW Köln, KOFA-Report März 2026). Die Engpässe sind ungleich verteilt: In Metall- und Elektroberufen, in der Schweißtechnik, im Maschinenbau nehmen sie zu, in Sozialberufen sinken sie. Für die Vertretungsplanung im September bedeutet das: Wer heute eine Position in der Werkslogistik oder in der Instandhaltung ausschreibt, konkurriert mit einer regional angespannten Nachfrage. Die kurzfristige Absicherung über Zeitarbeit ist in diesen Bereichen selten ein Backup, oft die eigentliche Lösung.

Was in den nächsten drei Wochen konkret zu tun ist

  • Rückkehr- und Vertretungsübersicht bis Ende dieser Woche erstellen. Wer kommt wann zurück, wo endet eine Vertretung, welche Fachbereiche haben mehr als eine offene Position gleichzeitig. Eine Übersicht auf einer Seite reicht, wichtig ist das gemeinsame Bild.
  • Kritische Positionen bis Anfang September an den Personaldienstleister übergeben. Anforderungsprofil, Standort, Schichtmodell, gewünschte Startwoche. Je konkreter die Angaben, desto schneller die passende Vorschlagsliste.
  • Q4-Bedarfe jetzt planen, nicht erst im Oktober. Positionen für den Jahresabschluss in Finance, für die Weihnachtssaison in Logistik und Kundenservice, für Wartungsfenster in der Instandhaltung. Der November-Bedarf entscheidet sich in der Regel bis Mitte September.
  • Zeitarbeit und Direktvermittlung parallel denken. Zeitarbeit sichert die Wochen 36 bis 40 ab, Direktvermittlung besetzt strategische Positionen für Q4 und Q1. Beide Instrumente ergänzen sich, sie ersetzen sich nicht.
  • Rahmenverträge für 2027 in die Gespräche einbeziehen. Wer im September mit dem Personaldienstleister ein Rahmenkonzept für wiederkehrende Bedarfe verhandelt, hat zum Jahreswechsel eine belastbare Basis. Wer wartet, verhandelt im März 2027 aus einer schwächeren Position.

Der einzige echte Kompromiss dieser Vorgehensweise: Wer diese Woche anfängt, muss Kapazität in der Personalabteilung freischaufeln, während der Sommerurlaub der Kolleg:innen noch nicht abgeschlossen ist. Diese Wochen sind selten die entspannteste Zeit im Jahr, sie sind aber die, in denen die Wochen 36 bis 45 tatsächlich noch gestaltbar sind.

Wie die DIS AG unterstützt

Als Teil der Adecco Group besetzt die DIS AG Fach- und Führungspositionen in Finance, Office & Management, IT und Industrie über Zeitarbeit, Direktvermittlung und Rahmenverträge. Für die Absicherung der zweiten Jahreshälfte relevant:

  • Kurzfristige Vertretungen über Zeitarbeit in kaufmännischen Berufen, Sachbearbeitung, Buchhaltung, Kundenservice und im gewerblichen Bereich.
  • Rahmenverträge mit definierten Reaktionszeiten für wiederkehrende Vertretungsbedarfe an einzelnen Standorten oder konzernweit.
  • Beratung zur Q4-Personalplanung, wenn Elternzeit, längere Krankheitsfälle oder ungeplante Fluktuation den Puffer belasten.
  • Aktuelle Marktdaten und Gehaltsniveaus für Ihre Vertretungsplanung liefern die DIS Gehaltsstudien für Office & Management, Finance & Financial Services, IT und Industrie.

Jetzt Gehaltsstudien sichern

Quellen:

DAK-Gesundheit: Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken, Pressemitteilung vom 20.07.2026, dak.de

Statistisches Bundesamt: Krankenstand, Indikator Qualität der Arbeit, Stand 23.07.2026, destatis.de

ifo Institut: Knapp einem Viertel der Unternehmen fehlen Fachkräfte, Fachkräftemangel-Umfrage, 21.08.2026, ifo.de

IW Köln: KOFA Kompakt 5/2026, Fachkräftereport März 2026, Juli 2026, iwkoeln.de